Sport Blick 2009 (Zeitung der Stadt Wedel)

Segelverein gibt jungen Menschen ein Ziel

Vorbildlicher Einsatz für Jugendliche

Von Jörg Frenzel

Zweifellos, es gibt Netteres und Sinnigeres für Jugendliche, als die Freizeit mit Spiele-Konsolen und bei Fernsehsendungen der Marke "Deutschland sucht den Superstar" zu verdröhnen. Der Segel-Verein Wedel-Schulau mit seinem Oldtimer-Projekt ist nur ein Beispiel dafür: Hier wächst Spaß, Verantwortungsbewusstsein und Team-Geist, und dümmer werden die Kids vom Handwerkern auch nicht. Der SVWS steht mit seiner Arbeit in einer Reihe von Hunderten von Vereinen im Kreisgebiet, die sich genauso engagiert um junge Menschen kümmern, ihnen Ziele geben und helfen, sie mit eigenen Mitteln zu erreichen - und die Kinder und Jugendlichen so fürs Leben stärken. Deshalb an dieser Stelle mal ein dickes "Dankeschön!" an die Vereine und ihre ehrenamtlichen Helfer - und an die Entscheider in den Kommunen und Unternehmen die herzliche Bitte: Unterstützen Sie solch tolle Initiativen so kräftig Sie können!
erschienen am 7. Februar 2009 im Hamburger Abendblatt  

Wedel: 22 Jugendliche restaurieren eine Oldtimer-Piraten-Jolle
Segelverein gibt Jugendlichen ein Ziel Nach viel Arbeit: Im Sommer soll das Boot aus den 70er-Jahren wieder zu Wasser gelassen werden.

Von Jörg Frenzel
Wedel - Der Himmel ist ebenso grau wie das Wasser der Elbe vor Wedel, nass-kalter Gänsehaut-Wind fegt über den Deich - da kann es einen schütteln! Wer denkt bei diesem Februar-Schietwetter schon an Segelboote? Was für eine Frage: Die Piraten vom Segel-Verein Wedel Schulau (SVWS) natürlich! Zwar sitzen auch sie derzeit auf dem Trockenen, doch über Langeweile können sie sich trotzdem nicht beklagen: Denn sie restaurieren derzeit eine Oldtimer-Piraten-Jolle. "Lang mal das Sandpapier rüber!", "Aua, pass doch auf!", "Wer will sonst noch ne Cola?" Sätze wie diese - untermalt von Gehämmer, Schubber-, Schleif- und Kratzgeräuschen - klingen aus der hintersten Ecke des Bootslagers der großen Vereinshalle am Strandbaddamm. Denn dort hinter den modernen Kunststoff-Booten liegt "Holzi". "Das ist aber nur der Arbeitsname", sagt Andreas Milow, der Trainer der SVWS-Piraten-Gruppe, die aus 22 Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren besteht. "Der richtige Name wird noch nicht verraten." "Holzi" ist eine Knickspant-Jolle, stammt aus Flensburg und wurde von den Wedelern vor rund drei Jahren entdeckt. Trainer Milow: "Unsere neuen Schiffe haben alle Kunststoffrümpfe und nur noch ein Deck aus Holz. Da ist es ganz schön, wenn die Jugendlichen mal ein Gefühl für traditionelle Bauweisen und Materialien bekommen. Und im Winter ist die Zeit dafür." Denn jetzt wird nicht trainiert und immer Theorie an den Vereinsabenden ist auch langweilig. Das Internet brachte die Wedeler auf die Spur von "Holzi", 300 Euro bezahlten sie den Flensburgern für das Boot, das irgendwann zu Beginn der 70er-Jahre gebaut wurde. Clever wurde das Vorhaben als Projekt beim Kreisjugendring angemeldet - und mit 1000 Euro Preisgeld bedacht. Eine Summe, die bitterlich benötigt wird, denn die erste Freude verflog rasch, als nach Beginn der Renovierung das wahre Ausmaß der Reparaturarbeiten offenkundig wurde. "Nach dem ersten Schleifen und Zerlegen haben wir schwere Mängel entdeckt. Das alte Deck aus Vollholz sah schlimm aus, der Schwertkasten war undicht", berichtet Milow. Doch weil Jammern nicht hilft, begannen die Segler schnell mit der Reparatur. Ein befreundeter Bootsbau-Profi steuert Rat und auch manchmal Tat bei, wenn das Eichen-Schiff bearbeitet wird. Aus einem Wrack wurde ein Schwertkasten eingebaut und Reparaturholz bestellt. "480 Euro! Die Lieferung dauerte ewig und dann kamen erst einmal noch die falschen Bretter bei uns an", so Milow. Kein Wunder, dass die Jugendlichen eher schleppend vorankamen, weil nur in der kalten Jahreszeit gearbeitet wird - denn sobald es nicht allzu frostig ist, geht das Training vor. Doch jetzt nehmen die SVWS-Piraten stramm Kurs auf Fertigstellung. Viel ist auch schon geschafft. Die uralte Farbe ist fast völlig abgezogen und brüchiger Kitt entfernt. Es muss jedoch noch reichlich geschmirgelt und ausgebessert werden. Das Ziel: In diesem Sommer soll "Holzi" wieder zu Wasser gehen. Im Gegensatz zu den Wettkampfbooten, die nur zum Training geslippt werden, wird die Holzjolle ständig am Schlengel im Schulauer Hafen liegen. Der Lohn der Mühe: Wann immer die Jugendlichen möchten, dürfen sie die Segel setzen. erschienen am 7. Februar 2009 im Hamburger Abendblatt

Engagement dieser Saison zahlt sich aus für die SVWS-Segelsportler

Die Piraten-Crews des Segel-Vereins Wedel-Schulau (SVWS) kamen bei den Landesjugendmeisterschaften vor Travemünde ganz groß raus. Arne Habermann (17) und Vorschoterin Christine Schmitt (18) belegten den ersten und ihre Vereinskameraden Matthias Adomat (18) mit Vorschoter Julius Raithel (16) den zweiten Platz. Nach den Worten von Trainer Andreas Milow sind diese Erfolge umso höher zu bewerten, da das 20 Schiffe große Feld qualitativ gut besetzt war. "Da waren viele gute Segler, und wir haben die Besten", strahlte Milow.

Auch mit den Ergebnissen der Duos Maureen Dresler/ Kai Betz (15. Platz) sowie Lena Andresen/Daliah Lev-Chaim (17. Platz) ist Milow zufrieden, denn diese beiden Teams sind noch vergleichsweise unerfahren. Und mit Windstärken bis zu sechs Beaufort und Wellenhöhen bis zu etwa zwei Metern waren die Fahrten sehr anspruchsvoll.

Für die SVWS-"Piraten" klingt damit eine Saison aus, in die sie erhebliches Engagement investierten, das sich nun auszahlte. Seit dem Schlei-Trainingslager im Frühjahr waren die Wedeler auf jedem größeren Segelereignis von Kieler über Travemünde bis zur Warnemünder Woche vertreten. Und obwohl die Trainingsbedingungen auf der Elbe wegen der Tide nicht gerade gut sind, mühen sich die SVWS-Crews nach Kräften, in jedem verfügbaren Moment aufs Wasser zu kommen das vielleicht gerade dann da ist, wenn man in der Schule sitzen muss.

In der nächsten Saison muss Steuermann Arne Habermann sich jemand anders für die Vorschot suchen, zumindest für die Regatten im Jugendbereich. Christine Schmitt hat die Altersgrenze überschritten. Zu den Wettkämpfen für Erwachsene tritt das Duo Habermann/Schmitt, das seit rund vier Jahren gemeinsam segelt, weiterhin an.

Auch Optimisten-Segler des SVWS waren bei den Landesjugendmeisterschaften vertreten. Malte Dombeck (12) kam in der Klasse Opti A auf den elften von 36 Rängen.

erschienen  am 17. September 2007 im Hamburger Abendblatt

Bugwelle verletzt drei Kinder

Regatta: Segelboote wurden durcheinandergewirbelt

Tragisches Ende einer geplanten Segelregatta in Wedel: Die Bugwelle des 184 Meter langen Containerfrachters "Cristina A." hat eine Gruppe von 13 Segel-Kindern zusammenstoßen lassen. Drei Jungen wurden dabei verletzt. Die Wasserschutzpolizei ermittelt nun gegen Savas Y. (55), den Kapitän des unter türkischer Flagge fahrenden Schiffes, wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs.

"Die Kinder haben sich gerade für eine Regatta am Strand fertig gemacht", berichtet Nico Bilzinger, Jugendobmann des Segel-Vereins Wedel-Schulau. "Dann kam plötzlich die Welle." Die ließ die Jollen umherwirbeln. Dabei wurden drei Jungen im Alter von fünf, sieben und zwölf Jahren zwischen den Booten eingequetscht. Sie kamen anschließend in Krankenhäuser. Der Älteste wird wegen des Verdachts auf einen Milzriss untersucht.

Die Wasserschutzpolizei ging später an Bord des Containerfrachters, um die Ermittlungen aufzunehmen. Dort musste der Kapitän eine so genannte Sicherheitsleistung bezahlen. Zwar gibt es vor Wedel keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Dennoch sind die Kapitäne verpflichtet, nur so schnell zu fahren, dass niemand gefährdet wird. Segelobmann Bilzinger kündigte an, Strafanzeige wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu stellen. Bei einem ähnlichen Unfall vor Wittenbergen im Juni 2007 sind fünf Menschen von einer Bugwelle mitgerissen und verletzt worden.

sba/at/jfr

erschienen am 19. Juli 2008 im Hamburger Abendblatt

ANMERKUNG:
ALLE KINDER WURDEN UNTERSUCHT, ES WURDEN "NUR" PRELLUNGEN UND BLUTERGÜSSE FESTGESTELLT. DIE KINDER KONNTEN NACH ABSCHLUSS DER UNTERSUCHUNGEN DAS KRANKENHAUS WIEDER VERLASSEN.
DER JUGENDVORSTAND DES SVWS HAT ALLE TRAINERIN UND TRAINER ANGEWIESEN AUF BERUFSVERKEHR ZU ACHTEN.

"Odin" sorgt für Tiefgang

Wedel: Räumboot spült Schlick aus dem Schulauer Hafen

Abgelagerte Sedimente werden mit Hochdruck rund um die Uhr abgetragen. Die Stadt investiert 200 000 Euro.

Von Jörg Frenzel

"Große Fahrt" sieht anders aus. 20 Meter hin, 20 Meter her. Immer und immer wieder. Die "Odin" macht zwar reichlich Meilen, bewegt sich aber trotzdem nicht aus dem Schulauer Hafen in Wedel heraus. An Bord sind Richard Verhage und Simon McCullogh. Ihnen kommt es auch nicht auf Entfernungen an, sondern vielmehr auf die Tiefe des Wassers. Die "Odin" baggert derzeit den Schulauer Hafen frei.

Jedenfalls macht sie das, was Landratten so unter "baggern" verstehen. Denn eigentlich ist der Begriff völlig falsch. Hier wird kein Material auf Schaufeln oder Eimerketten genommen und irgendwo anders abgeladen. Vielmehr kommt unter Wasser noch mehr Wasser zum Einsatz. Tjebbe Dijkstra, Oberbauleiter der Firma Brewaba, die zum holländischen Bagger-Spezialisten Van Oord gehört, erklärt: "Wir pumpen über Düsen viel Wasser mit einem Druck von etwa einem Bar in den Untergrund. So wird der Schlick verflüssigt und mit dem Tidenstrom herausgezogen."

Etwa eine Stunde nach Hochwasser beginnen Verhage und McCullogh, vier, fünf Stunden später hören sie auf - während jedes Hochwassers, also auch nachts. Die "Odin" schnurrt dabei nicht lauter als ein kleines Tucker-Boot, sodass Nachbarn keinen Grund zur Beschwerde hatten. Und selbst in stockfinsterer Nacht könnte die Arbeit weitergehen. Denn der Schulauer Hafen ist im Navigationscomputer der "Odin" perfekt abgebildet - per GPS-System manövrieren die Männer bis etwa auf einen halben Meter genau.

Am tiefsten, nämlich 4, 50 Meter, wird es dort, wo die Lühe-Schulau-Fähre anlegt. Am Ende des Hafens soll mit etwa einem Meter Tiefe zumindest noch für kleine Motorboote ständig "eine Handbreit Wasser unter dem Rumpf" vorhanden sein.

200 000 Euro gibt die Stadt für die Grundsanierung aus - eine Summe, die den Segel-Verein Wedel-Schulau als Pächter komplett überfordert hätte. Doch immerhin legen die Segler bei den kleinen Arbeiten jede Menge Engagement an den Tag, um den Hafen in Schuss zu halten.

erschienen am 13. März 2008 im Hamburger Abendblatt

Schulauer Hafen soll vom Schlick befreit werden

Abgelagerte Sedimente werden mit Hochdruck rund um die Uhr abgetragen. Die Stadt investiert 200 000 Euro.

Von Jörg Frenzel

Jetzt geht's endlich los: Nach Jahren, in denen der Schulauer Hafen durch Sedimenteintrag mehr und mehr verflachte, soll das Becken von Dienstag an wieder auf Tiefe gebracht werden. Insgesamt 200 000 Euro lässt sich die Stadt Wedel die Arbeiten am Hafen kosten, mit dem sie noch Großes vorhat.

"Odin" heißt das Räumboot der Wasserbaugesellschaft Bremen, das etwa 14 Tage lang jeweils kurz vor Hochwasser die Arbeit aufnehmen wird - auch nachts und am Wochenende. Denn die Tide muss mithelfen, die bis zu 25 000 Kubikmeter Schlick über den Elbstrom fortzuschaffen.

Gearbeitet wird nach dem Wasserinjektionsverfahren. Düsen pressen Wasser in den Hafengrund und wirbeln Sedimente auf, die mit dem ablaufenden Wasser aus dem Becken herausgezogen werden. So soll Material in einer Stärke von einem bis zu zwei Metern abgetragen werden. Im vorderen Bereich des Hafens, wo die Lühe-Schulau-Fähre anlegt, wird eine Tiefe von vier Metern bei Normal-Null und im hinteren Bereich eine Tiefe von einem Meter angestrebt. Derzeit ist dieses Gebiet nur noch ein Schlickloch und nicht zu nutzen.

Eigentlich wäre es gar nicht Aufgabe der Stadt, diese teure Vertiefung zu erledigen. Seit 1986 ist der Hafen an den Segel-Verein Wedel-Schulau (SVWS) verpachtet. Nur 5000 Euro hatten die Segler jährlich zu zahlen, aber die Verpflichtung übernommen, das Becken auf einer Tiefe von 1,50 bei mittlerem Tiden-Niedrigwasser zu halten.

Zunächst klappte das auch ganz gut, jedoch wurde seit Ende der 90er-Jahre nichts mehr getan. Konsequenzen: Der Hafen verflachte langsam, Lieger wanderten ab, dadurch wurden immer weniger Liegegebühren eingenommen, mit denen man eine Vertiefung hätte finanzieren können. Sie blieb aus, das Dilemma begann von vorn - ein Teufelskreis.

Hinzu kam die Problematik, dass die SVWS-Mitgliedschaft quasi dreigeteilt ist. Eine Gruppe hat ihre Schiffe an der Ostsee, eine im Hamburger Yachthafen und eine schrumpfende dritte Gruppe im Schulauer Hafen. Bei den Ostsee- und Yachthafenliegern hielt sich deshalb die Begeisterung darüber, Geld für den Schulauer Hafen auszugeben, in Grenzen.

Um den Hafen nicht ganz aufzugeben, sprang die Stadt ein. "Wenn wir alles hätten durchsetzen wollen, was uns nach dem alten Vertrag geschuldet war, hätte der SVWS aus wirtschaftlichen Gründen ganz aufgegeben", so Bürgermeister Niels Schmidt. Laut einem neuen Vertrag wird der SVWS von den Unterhaltungsarbeiten freigestellt, zahlt aber 10 000 Euro Jahrespacht sowie drei Viertel jener Summe, die über vereinnahmte Liegegebühren von 15 000 Euro hinausgehen.

Unterdessen sind die jährlichen Vertiefungsarbeiten im Hamburger Yachthafen abgeschlossen. Nach dem gleichen Verfahren hat der Bagger "Akke" rund 90 000 Kubikmeter Sediment gelöst und in die Elbe gespült.

erschienen am 29. Februar 2008 im Hamburger Abendblatt